Ist Naturkosmetik wirklich besser?

Ist Naturkosmetik wirlich besser? // Foto: PavelIvanov / iStock

Wer auf Naturkosmetik setzt, schützt seine Haut nicht nur vor bedenklichen Inhaltsstoffen – auch die Umwelt wird geschont.  // Foto: PavelIvanov / iStock

Naturkosmetik boomt! Zehn Prozent mehr Umsatz konnten die deutschen Hersteller natürlicher Kosmetik 2015 im Vergleich zum Vorjahr 2014 erwirtschaften. Tendenz steigend. Doch obwohl sie so beliebt ist, gibt es immer noch viele Fragen zu Verträglichkeit, Inhaltssoffen und Siegeln. Wir sind den gängisten nachgegangen.

1. Sind alle Produkte mit pflanzlichen Inhaltsstoffen Naturkosmetik?

Nein! Leider gibt es in Deutschland keine geschützte und rechtlich genau definierte Bezeichnung für den Begriff Naturkosmetik. Theoretisch könnte jeder Hersteller seine eigenen Richtlinien für Naturkosmetik erarbeiten und seine Produkte danach zertifizieren lassen. Ganz schön undurchsichtlich! Es gibt aber einige große Öko-Siegel, nach denen man sich gut richten kann. Zu den bekanntesten gehören BDIH, Ecocert und Natrue. Die Richtlinien der einzelnen Siegel lassen sich auf den Webseiten nachlesen. Die Labels Vegan-Blume und der Hase mit schützender Hand stehen übrigens nicht für Naturkosmetik. Die Vegan-Blume sagt lediglich aus, dass das Produkt vegan ist, der Hase zeigt, dass Entwicklung und Herstellung ohne Tierversuche erfolgt sind.

2. Was genau ist der Unterschied zwischen Naturkosmetik und naturnahen Beauty-Produkten?

Durch die Beliebtheit von Naturkosmetik setzen immer mehr Hersteller auf grüne Inhaltsstoffe. Diese sogenannten naturnahen Produkte können aber trotzdem Inhaltsstoffe enthalten, die in Naturkosmetik verboten sind. Dazu gehören in der Regel Zusatzstoffe wie Paraffine, Silikone, Erdölderivate, Mineralöle sowie  synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe. Zudem ist Naturkosmetik tierversuchsfrei und die Inhaltsstoffe stammen aus nachhaltigem und fairem Rohstoffhandel und sind natürlichem Ursprungs.

3. Sind die Produkte vegan?

Naturkosmetik muss nicht zwingend vegan sein. Produkte können durchaus tierische Inhaltsstoffe wie z. B. Bienen- oder Wollwachs enthalten. Wer vegane Produkte benutzen möchte, sollte auf die Vegan-Blume achten (siehe oben).

4. Ist Naturkosmetik besser verträglich als konventionelle Kosmetik?

Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Je nach Veranlagung kann es vorkommen, dass man auf chemische Zusätze in Beauty-Produkten allergisch reagiert. Allerdings birgt auch Naturkosmetik Gefahren: Besonders einige ätherische Öle und Duftstoffe wie z. B. Geraniol oder Linalool führen häufig zu Hautirritationen. Je nach Hauttyp muss man somit herausfinden, welche Inhaltsstoffe die Haut benötigt und gut verträgt.

5. Wird Naturkosmetik schneller schlecht?

Es ist ein weit verbreitetetes Gerücht, dass Naturkosmetik nicht so lange hält wie normale Kosmetik. Das stimmt jedoch nicht. Statt  synthetischer  werden natürliche Konservierungsstoffe wie Alkohol oder ätherische Öle eingesetzt, die verhindern, dass das Produkt verdirbt.  Ein kleiner Cremetopf auf der Rückseite  zeigt an, wie lange ein Produkt nach dem Öffnen benutzt werden kann.

6. Warum sind die Produkte häufig so teuer?

Ist ein Produkt nach einem der oben benannten Siegel zertifiziert, sind die Auflagen recht hoch und erfordern oft einen immensen Mehraufwand. So schlagen sich z. B. die Kosten für den biologischen Anbau der Inhaltsstoffe oder die faire Bezahlung der Mitarbeiter auf den Preis nieder.

7. Warum sollte man sein Geld trotzem in grüne Kosmetik investieren?

Pro Jahr nehmen wir rund zwei Kilo an Inhaltsstoffen über die Haut in den Körper auf. Wenn man bedenkt, dass es viele bedenkliche Inhaltsstoffe wie z. B. Aluminiumsalze oder hormonell wirksame Parabene gibt, deren Langzeitwirkung nicht bekannt ist, sollte man zumindest einfach mal darüber nachdenken, was man an seine Haut lassen möchte. Zudem gibt es in konventioneller Kosmetik viele Inhaltssoffe, die die Natur belasten, wie z. B. Plastikpartikel oder Silione, die nur schwierig aus dem Wasserkreislauf wieder herauszufiltern sind. Oder Palmöl, dessen Anbau Regenwälder und den Lebensraum von Orang-Utans bedroht.

8. Muss man bei der Umstellung etwas beachten?

Es kann sein, dass Haut oder Haare sich erst an die natürlichen Substanzen gewöhnen müssen. In der Regel sollte sich nach ca. zwei bis sechs Wochen alles eingependelt haben. Falls nicht, kann es sein, dass man einen Inhaltsstoff nicht verträgt und sollte das Produkt besser absetzen und ein anderes verwenden.